Die Unabhängigen | 06.07.2026
Groß war das Interesse, von einem Fachmann in Sachen Jagd und Hege bislang unbekannte Einblicke in die Tierwelt am Baggersee zu bekommen. Denn die Unabhängigen hatten zum Bürgerdialog eingeladen, der an einem sonnigen und windigen Samstag im Juni stattgefunden hat. Fast vierzig Interessierte waren gekommen, Kirchheimer und auswärtige Gäste. Markus Beck, der Kirchheimer Jagdpächter, seit 35 Jahren im Besitz seines Jagdscheines, nahm die Teilnehmer auf eine Exkursion in die heimische Tierwelt mit und erläuterte nebenher noch seine Aufgaben als Jagdpächter. Er spannte einen Bogen beginnend bei den Nilgänsen und Graugänsen, streifte kurz den Kormoran und beendete seinen Vortrag mit dem Biber und den Krähen. Sein Augenmerk galt den invasiven Tierarten am See und warum sie sich seit Jahren zu einer Plage entwickelt haben.

Markus Beck berichtete von den Nilgänsen, die eine invasive Art sind und deshalb bejagt werden müssen. Da sie territoriale Tiere sind, verjagen sie Enten und gehen auch auf Schwäne los. Sie koten deren Nester ein und töten auch Enten. Die Graugänse kommen seit 6 Jahren vor allem im Winter an den Baggersee, und zwar für ein paar Monate. Sie sind eine invasive Art, halten Rast am See, der seit Jahren nicht mehr zufriert, sie fressen sich am frisch gewachsenen Winterweizen satt und fliegen dann weiter in den Süden.
Der Kormoran ist seit vielen Jahren als invasive Art am Kirchheimer Baggersee verrufen. Er wird deshalb auch als große Plage angesehen, weil er die Fische aus dem See frisst, nebenbei Enten und Gänse vertreibt und nicht nach dem Jagdgesetz bejagt werden darf. Es gibt eine Kormoranverordnung, die ziemlich kompliziert ist.
Der Biber ist ein einheimisches Tier, das unter Naturschutz steht. Biber bauen Dämme, verändern den Lauf von Gewässern und richten deshalb auch große Schäden an. Sie bohren in bestehenden Dämmen Gänge, sodass der Damm seine eigentliche Funktion nicht mehr erfüllt, weil er löchrig wird.
Die Krähen sind deshalb am See präsent, weil sie in den Gebäuden des gegenüberliegenden GKN einen Schlafplatz haben und sich dort sehr wohlfühlen. Am See gibt es gemischte Schwärme mit bis zu 1000 Tieren. Bedeutsam sind vor allem die Junggesellen, sie schwanken zwischen 300 und 500 Tieren. Sie machen sich über die Winterfrucht auf den umliegenden Feldern her und töten die Bodengelege von Bodenbrütern. Die natürlichen Feinde von Krähen, die Habichte, sind jedoch in der Minderzahl. Der Kampf gegen die Krähen sieht Markus Beck als einen „Kampf gegen Windmühlen“, weil vom GKN keine nachhaltigen und wirksamen Maßnahmen unternommen worden sind zum Vergrätzen der Tiere.
In seinem Vortrag benannte Markus Beck einige Ursachen für die große Präsenz invasiver Arten, nämlich den Klimawandel, das Einschleusen von exotischen Tieren und die Flurbereinigungsmaßnahmen. Die Flurbereinigung ist 1972 ausgelaufen, kleine Äcker wurden zusammengelegt, große Äcker entstanden, die Hecken wurden abgeholzt. Es entstand ein schachbrettartiges Muster an Feldern, die von den Landwirten optimal genutzt werden konnten, aber auch massenweise Krähen angezogen haben. Heute wird versucht, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, es entstehen Ackerrandstreifen und zusätzlich Biotope, auch über die Gemarkungsgrenzen hinweg. Markus Beck erläuterte den Anwesenden, dass eine Vernetzung zwischen Landwirten, Jägern, Gemeinden und den Umweltverbänden wie NABU nötig ist. Bei der interessanten Diskussion machten die Teilnehmer den Vorschlag, dass die Gemeinden Kirchheim, Bönnigheim und Erligheim gemeinsame Biotope ausweisen sollen und es weitere Gespräche geben soll.

Zum Thema Hege berichtete Markus Beck von der Kitzrettung, das heißt der Sichtung und Rettung von Jungtieren in Wiesen mithilfe von Drohnen. Seine Vorgehensweise ist, dass er engmaschig mit den Landwirten zusammenarbeitet, er schickt eine Drohne mit einer Wärmebildkamera morgens um vier Uhr auf das zu mähende Feld. Die Drohne lokalisiert den warmen Körper des jungen Rehkitzes, es wird vorsichtig geborgen und der Landwirt kann dann die Wiese abmähen. Danach wird das Rehkitz an seinen Platz zurück im Feld gebracht, ohne dass es den menschlichen Geruch angenommen hat. Markus Beck lobte die sehr gute Zusammenarbeit von Kirchheimer Jagdpächtern, der Gemeinde und den Landwirten. Ein großes Problem sieht Markus Beck in den verbuschenden Steillagen und stellte die Frage an die Teilnehmer, wie mit diesen Habitaten zukünftig umgegangen werden soll. Es wurde eine interessante Idee vorgetragen, eine abschließende Antwort zu diesem doch oft emotional geführten Thema gab es am See nicht. Im Verlauf des Bürgerdialogs berichteten die Teilnehmer über ihre eigenen Erfahrungen mit Wildtieren, unter anderem über Nutrias in Gärten, die Enten am Mühlbach und die Probleme mit den Tauben im Ortskern. Ein Teilnehmer erwähnte, dass die Schwarzmundgrundel und das Rotauge, die beide Fische sind, vom Aussterben bedroht sind. Mit dem Satz von Jagdpächter Markus Beck: „Wir wollen keine Tierart ausrotten, wir sorgen dafür, dass sie nicht überhandnehmen“ endete der Bürgerdialog. Es ist eine realistische Einschätzung der invasiven Arten am See, aber manchmal ist es auch ein Kampf gegen Windmühlen.
Bei leckeren Getränken und Butterbrezeln ließen die Unabhängigen und die Gäste den Bürgerdialog ausklingen. Der nächste Bürgerdialog der Unabhängigen für 2027 ist in Planung.