Aus dem Gemeinderat | 29.06.2026
Zensus 2022 hat deutlich niedrigere Einwohnerzahl ergeben – Gemeinde hat Widerspruch eingelegt und erwägt Klage
Der Zensus 2022 beschäftigt die Gemeinden im Land und im Landkreis Ludwigsburg noch immer. Auf für die Kommunen nicht nachvollziehbare Weise sind ihnen nämlich statistisch viele Einwohner abhandengekommen. Und da die Zahl der Einwohner großen Einfluss auf Finanzzuweisungen und Steueranteile hat, erhalten Sie weniger Geld. Im Fall von Kirchheim wurde zum Stichtag 15. Mai 2022 eine Einwohnerzahl von 5.828 Personen festgestellt: Im Melderegister waren zum gleichen Zeitpunkt aber 6282 Menschen verzeichnet, also 454 oder 7,22 Prozent mehr. Dagegen hat die Gemeinde Widerspruch eingelegt. Sollte der abgewiesen werden, könnte sie innerhalb von einem Monat Klage beim Verwaltungsgericht erheben. Damit das auch in der Sommerpause ohne zusätzlichen Aufwand klappt, hat der Gemeinderat der Verwaltung vorsorglich die Ermächtigung dafür erteilt.
Hinweise auf zu niedrige Zensus-Zahl
500.000 Euro weniger pro Jahr – das ist viel Geld, nicht nur in den aktuell wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen überall gespart werden muss. „Die Frage ist ja aber auch, ob die Zahlen vom Einwohnermeldeamt so genau sind, da ich schon mitbekommen habe, dass die Leute sich zwar anmelden, bei einem Umzug aber nicht unbedingt abmelden“, gibt Roland Gamnitzer (Unabh.) zu bedenken. Für Bürgermeister Uwe Seibold ist das keine Frage, da sehr viele andere Bereiche zuverlässig und ohne Probleme auf die Daten des Einwohnermeldeamtes zurückgreifen. Wenn dies nicht so wäre, würden im Landkreis Ludwigsburg mehr Menschen Müllgebühren entrichten, als laut Zensus dort leben. „Auch würden ja Wahlbenachrichtigungen vermehrt zurückkommen, aber die Quote liegt unter 0,5 Prozent, nahezu alle Wahlbenachrichtigungen sind zustellfähig.“ Noch heißt es abwarten, was bei dem Widerspruch gegen den Bescheid des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg herauskommt.