Kirchheim und fünf andere Kommunen drängen auf Alternativ-Planungen für Neubau der Besigheimer Neckarbrücke
Die Besigheimer Neckarbrücke ist in einem schlechten Zustand. Aktuelle Planungen sehen eine Sanierung vor, die eine Sperrung von drei Jahren zur Folge hätte. Das würde bedeuten, dass 15.000 Fahrzeuge am Tag einen anderen Weg finden müssen. „Der kürzeste Umweg führt durch Kirchheim, dabei ist die Max-Eyth-Straße jetzt schon am Limit“, machte Bürgermeister Uwe Seibold in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich. Gemeinsam mit Besigheim, Hessigheim, Mundelsheim, Walheim und Gemmrigheim will die Gemeinde daher auf die zuständigen Behörden einwirken. Die Kommunen wollen erreichen, dass unmittelbar mit konkreten Planungen für den Umbau der Brücke begonnen und ein Verkehrs-, Sicherheits- und Rettungswegekonzept für die Zeit der Vollsperrung erarbeitet wird.
Behörden in die Pflicht nehmen
Es ist schon einmal geschehen: Von heute auf morgen wurde die Brücke für Lkw gesperrt. Was passiert, wenn das auch für Pkw geschieht? „Es sind weitere Seile gerissen, die Gefahr ist akut“, betont Uwe Seibold. Auch deswegen haben sich die Bürgermeister der sechs Kommunen bereits zusammengesetzt und das Thema in ihre Gemeinderäte gebracht. Schülerströme, Lieferketten, Rettungswege, all das müsste für die Bauzeit umgeleitet werden. „Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Behörden mit dem Tag X beschäftigen. Und ich habe das Gefühl, dass sie Kirchheim überhaupt nicht im Blick haben, unfassbar“, erklärte der Bürgermeister. Denn wer werde denn den weiten Weg über Lauffen nehmen. Und das über drei Jahre.
„Wir befürchten ein Verkehrschaos ungeahnten Ausmaßes. Für die beteiligten Gemeinden wäre das der Supergau, und offensichtlich interessiert es niemanden“, sagte Bürgermeister Seibold. Deswegen brauche es dringend einen Alternativplan, wie etwa beim bevorstehenden Neubau der Murr-Brücke bei Marbach. Dort entsteht durch ein neuartiges Bauverfahren eine sogenannte „Express-Brücke“. Dies verkürzt die Bauzeit um 90 Prozent. Eine andere Möglichkeit wäre eine Behelfsbrücke.
Bauzeit muss verkürzt werden
„Das Regierungspräsidium hat schon bei der Klärschlammverbrennungsanlage Walheim das Thema Verkehr runtergespielt“, ärgert sich Andreas Munz (WGK). Aktuell könne man schon im Kleinen sehen, welche Auswirkungen Baumaßnahmen haben. Bei den aktuellen Planungszeiträumen würde bis dahin auch der Schwerlastverkehr zur Anlage beginnen. „Kirchheim ist jetzt schon am Limit, ich nehme immer mehr Aggressionen im Straßenverkehr wahr.“ So ein Zustand sei über einen so langen Zeitraum nicht hinnehmbar. „Die Planungen müssen jetzt beginnen und die Bauzeit verkürzt werden“, betont er.
Gemeinderat fordert sinnvolle Lösung
2028 wird die Anlage in Walheim in Betrieb genommen, ab dem Zeitpunkt kommen die Lkw, erinnert Inge Schemminger (Unabh.) und bemängelt die „Aufschieberitis“ bei den Behörden. „Irgendwann kommt das Problem, und wir stecken mittendrin, während die Damen und Herren vom Regierungspräsidium weit weg sind.“ Auch Stephan Hennig (WGK) betont, dass eine Ersatzbrücke unumgänglich ist. „Man muss sich nur mal einen Brand in Besigheim vorstellen“, ergänzt er kopfschüttelnd. Dann kämen Einsatzkräfte nicht zum Einsatzort. „Bei der Autobahnbrücke auf der A6 ging es ja auch, die war durchgängig befahrbar.“ Das verursache vielleicht zusätzliche Kosten, aber hier gehe es um den Willen.
Einstimmig beschloss der Gemeinderat, gemeinsam mit den anderen Kommunen auf Behörden und Politik einzuwirken. „Man kann offensichtlich auf die Rückseite vom Mond fliegen, dann wird man ja wohl auch eine Brücke anders bauen können als vor 50 Jahren“, sagte Uwe Seibold.