Gemeindewald ist nicht gesund und steht vor großen Herausforderungen
Revierleiter Burkhard Böer hat im Gemeinderat den Zustand des „kleinen, aber feinen“ Kirchheimer Gemeindewalds vorgestellt. „Vergessen Sie die Regenfälle der letzten Wochen, beim Wald geht es immer darum, was vor einem Jahr passiert ist“, erläutert er. Die Winterfeuchte 2024/25 sei absolut durchschnittlich gewesen. Das ist ungünstig, denn die Vitalität eines Waldes hänge immer von seinen Startchancen ab. Und mit dem extrem trockenen Frühjahr sowie der Hochsommerhitze im Mai und Juni könne man schon erahnen, in welche Richtung dies führe.
Bäume konnten Rückstand nicht aufholen
Einen Naturraum vergleicht der Förster mit einem großen Dampfer, der könne auch nicht mal eben die Richtung wechseln. Wenn es holprig beginnt, wird es erstmal holprig bleiben. Als also im Juli der Regen kam, waren die Blätter als Reaktion auf die Vormonate schon kleiner ausgebildet als üblich, die Bäume konnten das nicht mehr ändern. Die klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode von März bis September ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken, schreibt seit 1991 ein Defizit von 187 Millilitern. „Ein knappes Glas Wasser klingt nicht viel, aber bei nur 650 Millilitern im ganzen Jahr ist das schon ganz schön viel“, verdeutlicht Burkhard Böer. Bäume seien sehr geduldig, aber irgendwann komme einfach der „Point of no return“ und den sehe man jetzt an kleinen Details wie kleinen Blättern.
Eschen verabschieden sich, auch Eichen bedroht
Feucht und warm im Juli, das ist das perfekte Klima für Pilze. Das bekannteste Ergebnis ist das Eschentriebsterben. „Die Esche verabschiedet sich, die hat so gar keine Chance mehr“, sagte der Revierleiter. Beim Hoffnungsbaum Eiche, die prägendste Art im Gemeindewald, wachse sich der Eichenprachtkäfer zu einem immer größeren Problem aus. Den gab es zwar schon immer, aber wenn der sich nun explosionsartig vermehre, befalle er auch gesunde Bäume. Bei der Neuaufforstung habe man zunächst gebangt, musste dann aber zwei Mal ausmähen, um den Nachwuchs zu schützen. „So ist die Natur, da muss man reagieren und kann nicht einfach nach Plan vorgehen.“
Fast nur Brennholz vermarktet
Im Winter folgte die Holzernte, speziell am Westrand des Kirchheimer Waldes, der erst Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt wurde. Den dortigen Roteichen sehe man an, dass sie ihre Kronen schon absterben lassen, obwohl sie nicht mal ihre volle Höhe erreicht haben. Das liege auch am Muschelkalk, der das Wasser einfach durchfließen lässt. „Wir geben trotzdem nicht auf, im Forstbereich leben wir von der Hoffnung und es ist unsere Verantwortung, den Bäumen, die noch da sind, das Beste zu geben.“ Nur vier Prozent der Ernte konnten als Stammholz vermarktet werden, mehrheitlich ist es Brennholz.
Für das fortwirtschaftliche Jahr 2026 liegt der Schwerpunkt auf der Vitalisierung mittelalter Bestände im Westen mit zufälliger Nutzung. Einnahmen sind in Höhe von 13.800 Euro vorgesehen, Ausgaben in Höhe von 16.450 Euro, was ein Minus von 2.185 Euro bedeutet. Da schlagen vor allem die Kultursicherung und die 1,3 Hektar Aufforstungsfläche westlich des Grillplatzes zu Buche.