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Freitag, 19. Januar 2018

Kirchheimer Vereinsfahnen erzählen Geschichte

Ausstellung 26.01.-25.02.2018

Ausstellung zur Geschichte Kirchheimer Vereinsfahnen

Im Rathaus sind derzeit sieben historische Fahnen von Kirchheimer Vereinen zu sehen. Die wertvollen Exponate der Ausstellung, die am Freitag letzter Woche anlässlich einer Vernissage eröffnet wurde, haben Helmut Mayer und der örtliche Geschichtsverein zusammengetragen. Über die Fahnen und die jeweils dazugehörende Vereinshistorie geben Infotafeln Auskunft. Erzählt wird anhand der jeweiligen Vereinsfahne die Geschichte des Arbeitergesangvereins „Hoffnung“, des Gesangvereins Liederkranz, des Musikvereins Harmonie, des Kraftsportvereins, des Turnvereins, des Sportschützenvereins sowie des Katholischen Volksvereins Stangendorf und Umgebung. Kirchheims Patengemeinde Vendolí hieß früher Stangendorf und liegt östlich von Prag.

Den eigentlichen Anlass zur Ausstellung bot eine E-Mail, die Mayer im Juni des vergangenen Jahres aus Hemhofen bei Erlangen erreichte. Darin teilte René Noel dem hiesigen Geschichtsverein mit, er habe im Nachlass seiner Mutter eine alte Vereinsfahne gefunden, die diese in ihrem Keller aufbewahrt hätte. Es handele sich vermutlich um ein „Tauschobjekt“, das seinem Vater Robert Noel – im „zweiten Weltkrieg“ Leutnant der französischen Armee – bei der Befreiung Deutschlands in die Hände gefallen sei. René Noel schrieb Mayer, er wolle die Fahne des Kirchheimer Arbeitergesangvereins „Hoffnung“ an die heutigen Vereinsnachfolger zurückgeben – sofern noch vorhanden. Bald darauf kehrte die Fahne tatsächlich nach Kirchheim zurück und wurde zunächst im Museum im Farrenstall ausgestellt. Bernd Krämer vom Sportschützenverein kam dann auf die Idee, die Fahne des früheren Arbeitergesangvereins – zusammen mit anderen Kirchheimer Vereinsfahnen – im Rathaus der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das jetzige Fundstück ist ein interessantes Relikt aus einer Zeit, die 1933 mit der Machtübernahme der Nazis ihr jähes Ende fand. Damals wurden die proletarischen Vereinigungen innerhalb der Arbeiterkulturbewegung, die während der Weimarer Republik noch so lebendig und vielfältig gewesen war, auf Geheiß der neuen Machthaber verboten. Die Arbeiterkulturbewegung erlangte danach nie wieder ihre einstige Bedeutung zurück. Und so gibt es auch keine Nachkommen des 1909 im „Posthörnle“ gegründeten und 1933 aufgelösten Kirchheimer Gesangvereins „Hoffnung“ mehr. Einziges Überbleibsel ist jetzt noch die 1924 geweihte, in Biberach an der Riss hergestellte Vereinsfahne. Darüber kann sich die Gemeinde nun doppelt freuen, denn noch bis vor kurzem wusste keiner mehr etwas über die Existenz des proletarischen Fahnentuchs. Gottlob Grünenwald hatte nämlich seinerzeit im Kirchheimer Heimatbuch noch behauptet, nach dem Einmarsch „fremder Truppen“ sei die Vereinsfahne „von unbekannter Hand vernichtet“ worden. Nur die Fahnenstange sei erhalten geblieben.

 

Nach wie vor aktiv ist im Ort der Gesangverein Liederkranz, der 1852 von einem Kirchheimer Sattlergesellen nach seiner Rückkehr von der „Walz“ gegründet wurde. Die erste, im Jahr 1856 geweihte Vereinsfahne hatte die Tochter des damaligen Wundarztes eigenhändig gestickt. Dieses Exemplar steht heute im Silchermuseum in Schnait. Seit 1872 hatte der Verein mehr und mehr Mitglieder erhalten, die ihren mühevollen Arbeitstag musikalisch ausklingen lassen wollten. 1879 wurde dann die zweite Vereinsfahne geweiht. Die dritte Fahne, die seit dem letzten Freitag im Rathaus zu sehen ist, stammt von 1931, als der Gesangverein Liederkranz sein 75-jähriges Jubiläum feierte.

Der erste Hinweis auf den Ursprung der Fahne des Kirchheimer Musikvereins Harmonie taucht in einem Vereinsprotokollbuch aus dem Jahr 1926 auf. Damals gründete der Verein einen „Fahnenfond“. 1929 erhielt die Stuttgarter Fahnenfabrik Junkers einen mit 650 Mark dotierten Auftrag für die Herstellung einer Vereinsfahne, die dann ein Jahr später an den Musikverein ausgeliefert und im Juni 1930 feierlich geweiht wurde. Das wertvolle Tuch wird heute im Proberaum der Vereins in der Alten Schule aufbewahrt und kommt wie in früheren Zeiten nur bei besonderen Anlässen zum Einsatz. 

Im Jahr 1912 weihte der Kirchheimer Kraftsportverein „Frisch auf“ feierlich seine Fahne. Erst fünf Jahre zuvor hatten einige passionierte Ringer aus dem Ort den Verein ins Leben gerufen. Ihre Vereinsfahne haben die Mitglieder zuletzt 2013 beim Umzug zum 100-jährigen Jubiläum des Musikvereins stolz vor sich hergetragen. 1988 wurde die Fahne zum damaligen Preis von 4.446 DM aufwändig restauriert. Das Fahnentuch hebt der Kraftsportverein in seinen eigenen Räumlichkeiten im Schaukasten auf.

 

Der örtliche Turnverein existiert seit 1898 und schmückte sich bereits ein Jahr später mit seiner ersten Vereinsfahne. 1946 hatte sich der Turnverein dann vorübergehend als eine Abteilung dem damaligen Kultur- und Sportverein Kirchheim angegliedert. 1992 löste sich die Turn-Abteilung indes vom Kultur- und Sportverein und firmiert seit dem wieder offiziell unter dem Namen Turnverein. Eine zweite Fahnenweihe hatte laut Mayer im Kreis der örtlichen Turner 1923 stattgefunden. Diese Jahreszahl ist auch auf der Fahne des Tunvereins verewigt, die jetzt zusammen mit den anderen sechs Vereinsfahnen im Rathaus ausgestellt ist.

Noch nicht ganz so lang gibt es in Kirchheim den Sportschützenverein. Aber auch dieser Zusammenschluss ist in Besitz einer eigenen Fahne, die 1990 anlässlich des 25. Vereinsgründungsjubiläums im Rahmen einer großen Feier geweiht wurde. Und auch diese Vereinsfahne findet nach der Ausstellung wieder ihren Platz in der Alten Schule.

Zur interessanten Fahnenschau im Rathaus hat – indirekt – auch die Kirchheimer Patengemeinde Vendolí eine Vereinsfahne beigesteuert. Die Fahne des einstigen Katholischen Volksvereins Stangendorf und Umgebung gehört seit Ende des „kalten Krieges“ dem hiesigen Heimatbund Stangendorf und wird somit in Kirchheim aufbewahrt. Wie die proletarischen Zusammenschlüsse im „Deutschen Reich“, musste sich in den 1930er Jahren auch der Katholische Volksverein in Stangendorf auflösen. Auch in diesem Fall zeugt also nur noch die 1934 im damaligen Stangendorf geweihte Fahne im Rahmen der Ausstellung von einem Verein, den es nicht mehr gibt. Das Fahnentuch hat dagegen die unruhigen Zeiten überdauert.

Mit der Turmzier vom Dach der Alten Schule haben die Ausstellungsmacher der Fahnenschau schließlich noch ein Ausstellungsstück der etwas anderen Art hinzugefügt. Bei der Renovierung der Alten Schule wurde 2005 auch die Wetterfahne restauriert. Dabei fand sich in einer Hülse außer einer alten „Reichsbanknote“ im Wert von 20 Mark ein Schriftstück des 1888 geborenen Kirchheimer Flaschners Ernst Bezner aus dem Jahr 1927. Der Handwerker bezeugt darin seine Mitwirkung an der damaligen Schulrenovierung. Die Ausstellung historischer Vereinsfahnen ist noch bis zum 25. Februar im Rathaus zu sehen – montags, mittwochs, donnerstags sowie freitags jeweils von 8 bis 12 Uhr und dienstags von 7 bis 18 Uhr.

 

 

  

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Turmzier

Vereinsfahnen