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Dienstag, 12. November 2019

Gemeinde informiert über Maßnahmen zum Lärmschutz

Der zunehmende Verkehr und die damit einhergehende Lärmbelastung machen den Kirchheimer Bürgerinnen und Bürgern, aber auch der Gemeindeverwaltung schwer zu schaffen. In letzter Zeit wird von allen Seiten wieder die bereits seit langem bestehende Forderung nach einer westlich um den Ort führenden Umgehungsstraße bekräftigt. Kein Wunder, bei rund 20.000 Fahrzeugen, die täglich über die B 27 durch Kirchheim rauschen. Da die gewünschte Umgehung jedoch auf sich warten lässt und auf der Prioritätenskala des Bundes nach wie vor im untersten Bereich rangiert, will Bürgermeister Uwe Seibold nun möglichst bald Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und zum Lärmschutz im Ortskern umsetzen. Dabei wird Seibold energisch vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen Koehler und Leutwein aus Karlsruhe unterstützt. Das Büro hat 2016 gemäß der Vorgabe durch die Umgebungslärm-Richtlinie der EU einen Lärmaktionsplan für die Gemeinde Kirchheim erarbeitet und den Entwurf schon mehrmals im Gemeinderat vorgestellt.

Was die Gemeinde konkret und zeitnah vorhat, um angesichts der Verkehrs- und Lärmprobleme Entlastung zu schaffen, berichteten am Dienstag letzter Woche in einer Bürger-Informationsveranstaltung Peter Koehler und Stefan Wammetsberger vom Büro Koehler und Leutwein. Im Ratssaal erläuterte Koehler zunächst die einzelnen Arbeitsschritte bei der Erstellung des Lärmaktionsplans. Dabei kam der Experte auch auf ein Gerichtsurteil vom Juli 2018 zu sprechen, demzufolge die Kommunen jetzt auch in Eigenregie Lärmschutzmaßnahmen umsetzen können. Und zwar auch dann, wenn an einer Stelle im Ort der gemessene Lärm-Fassadenpegel am Tag bis zu 5 Dezibel unter der bisherigen Marke von 70 Dezibel liegt. Wie bereits berichtet, soll nun an der Besigheimer Straße die bisher nur nachts geltende Tempo-30-Regelung auf 24 Stunden ausgedehnt werden. Weil dies jedoch vermutlich nicht genügend Wirkung zeigen wird, will die Gemeinde zusätzlich beim Regierungspräsidium einen so genannten „Flüsterbelag“ beantragen. Dies fällt im Lärmaktionsplan unter die Rubrik Lärmminderung

Neben der Lärmminderung sieht der Lärmaktionsplan auch noch Maßnahmen zur Lärmvermeidung, der Lärmverlagerung und zum passiven Schallschutz vor, wie Koehler erklärte. Dazu gehören die Weiterentwicklung des ÖPNV und des Fahrradnetzes ebenso wie der geförderte Einbau von Schallschutzfenstern beispielsweise in Gebäuden, die in erster Reihe entlang der hoch belasteten Besigheimer Straße liegen. Dort wird der Wert von 70 Dezibel oft weit überschritten. Insgesamt leiden laut Koehler 20 Prozent der Ortsbewohner unter dem hohen Verkehrslärm. Davon seien rund fünf Prozent einer gesundheitsschädlichen Lärmimmission ausgesetzt, stellte der Fachmann fest. Die daraus resultierenden Gesundheitskosten beliefen sich einer WHO-Berechnung zufolge in Kirchheim auf 145.000 Euro, so Koehler. Dies sei zwar ein fiktiver Wert, veranschauliche aber sehr wohl die volkswirtschaftlichen Schäden durch die Lärmbelastung.

„Kirchheim ist, was den Lärm betrifft, weit vorne“, begann Wammetsberger seinen anschließenden Vortrag. Und da der Gesundheitsaspekt mittlerweile ein „schweres Gewicht“ darstellt, sah Wammetsberger mindestens langfristig durchaus Chancen, das Kirchheimer Dauerthema Umgehungsstraße mit dem nötigen Druck in der Prioritätenskala des Bundesverkehrsministeriums weiter nach oben zu hieven. Bis dahin gelte es indes erstmal, möglichst zügig die vorgesehenen Maßnahmen im Lärmaktionsplan anzugehen. Schließlich hätte eine erneute Verkehrszählung in diesem Jahr ergeben, dass an der B 27 der Autoverkehr gegenüber 2016 um nochmals 8 bis 9 Prozent zugenommen habe. Wammetsberger zeigte sich indes alles in allem optimistisch und ermunterte die Gemeindeverwaltung, die ganztägige Tempo-30-Regelung, aber auch den „Flüsterbelag“ zu beantragen. Er stellte jedoch auch klar: Die Ausweitung der Tempo-30-Vorschrift wird Folgen im Blick auf den Verlagerungsverkehr haben. Es wird also immer Autofahrer geben, die versuchen werden, über die Schillerstraße, die Wilhelmstraße, die Bahnhofstraße oder die Hauptstraße auszuweichen. Dies müsse man ständig beobachten und seitens der Gemeinde durch konkrete Maßnahmen zu unterbinden versuchen.

Mit einer ganztägigen Tempo-30-Regelung an der B 27 wäre zunächst einmal nur den dortigen Anwohnern geholfen. Dafür könnten Anwohner anderer innerörtlicher Straßen die negativen Folgen des Verlagerungsverkehrs zu spüren bekommen. Hier gelte es letztlich den Bedürfnissen aller Betroffenen gerecht zu werden, meinte Wammetsberger. Mit einem ersten Maßnahmenpaket will die Gemeinde nun voraussichtlich schon im ersten Halbjahr 2020 den Verlagerungsverkehr aus den Nebenstraßen zurück auf die B 27 lenken. In der Hauptstraße soll der Platz vor dem Rathaus zum verkehrsberuhigten Bereich und auf Höhe des Mühlbachs eine Verengung geschaffen werden. Langfristig will man auch durch die Umgestaltung der Einmündung der Bahnhofstraße in die Max-Eyth-Straße dem Durchgangsverkehr Einhalt gebieten.

In der Wilhelmstraße denken die Planer an die Einrichtung einer Zone, in der wechselseitiges Parken und Pflanzkübel Autofahrer dazu bringen sollen, dass sie langsam fahren. Außerdem soll im nördlichen Abschnitt der Wilhelmstraße eine Einbahnregelung in Richtung Norden angeordnet werden. Beim Workshop im Kultur- und Vereinszentrum zum Thema Wilhelmstraße, der ebenfalls am Dienstag der vergangenen Woche, unmittelbar vor der Info-Veranstaltung im Rathaus stattfand, hatten sich die Anwesenden auf diese Maßnahme geeinigt. Wammetsberger hatte ursprünglich an eine Einbahnregelung in Richtung Süden gedacht. Einen nennenswerten Effekt soll diesbezüglich auch die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit der Schaffung eines neuen Busbahnhofs respektive Wendeplatte erzeugen. Und, wenn die neue Ampelanlage am Schillerplatz in Betrieb ist, soll die Ampelschaltung den dortigen Erfordernissen angepasst werden.

Einige der Besucherinnen und Besucher der Info-Veranstaltung äußerten letzte Woche leise Skepsis an den geplanten Maßnahmen. Schließlich beruhten die Pläne auf modularen Annahmen, wandten sie ein. Die Probleme blieben jedoch bestehen. „Wir können hier nur Schritt für Schritt vorgehen“, versuchte Wammetsberger hingegen die Kritiker zu beruhigen. Gegenüber dem Vorschlag einer Sperrung der Wilhelmstraße oder der Schillerstraße nach dem Muster im Rosenpark zeigte sich der Experte ablehnend. Dies sei im Blick auf den Busverkehr nicht realisierbar, urteilte Wammetsberger. „Damit verlagern wir ein Problem von einer in die andere Straße“, gab er zu Bedenken. Die Sperrungslösung sah auch Seibold kritisch und gleichzeitig ambivalent. Einige der Anwohner im Rosenpark, die sich ursprünglich für eine Begrenzung des Durchgangsverkehrs ausgesprochen hätten, seien mit der jetzt geltenden Sperrung auch nicht zufrieden, wandte Seibold ein. Im Landkreis Ludwigsburg tue sich in Sachen Verkehrsverbesserungen besonders wenig. Da sähe es im Nachbarkreis Heilbronn ganz anders aus, monierte ein weiterer Bürger. Dem widersprach Wammetsberger nicht. Ganz im Gegenteil. In Baden sei er auch anderes gewohnt. Dort würden Verkehrsmaßnahmen engagierter umgesetzt, bemerkte der Ingenieur aus Karlsruhe. Am Ende versprühte Wammetsberger nochmals Hoffnung: In 10 bis 15 Jahren sähe alles möglicherweise anders aus, als heute. Die Verkehrswende könne vielleicht den Verkehr dezimieren und kleinere Fahrzeuge auf den Markt bringen – auch in Kirchheim.